Wir sind im Moment damit beschäftigt unser Glossar zu überarbeiten. Bald gibts hier mehr content.

Januar 2026

A
Awareness-Washing
Awareness-Washing bezeichnet das Verwenden oder Bewerben von ‘Awareness‘, Awareness-Teams oder Awareness-Konzepten, ohne dass die grundlegenden Prinzipien tatsächlich mitgetragen/umgesetzt werden. Der Begriff orientiert sich an anderen ‘-washing’-Phänomenen wie Greenwashing oder Pinkwashing und beschreibt eine ‘Verwässerung’ des eigentlichen Anliegens oder das bewusste ‘Reinwaschen’ einer Organisation.


Immer öfter bewerben Veranstaltende, Clubs oder Festivals ein ‘Awareness-Team’ – aber oft steckt dahinter nur ein symbolischer Einsatz ohne Schulung, ohne Konzept,
ohne Anbindung an eine um-fassende Gewaltschutzstruktur.
 Das bedeutet dann z. B. überforderte Leute ohne Vorbereitung, kein Schutzraum, keine klare Zuständigkeit, keine Nachsorge, keine Parteilichkeit, keine Transparenz, keine Reflexion.
Das ist nicht Awareness – das ist Marketing. Und es ist gefährlich, weil es Sicherheit vorgaukelt, aber Betroffene allein lässt.

Beispiele für 
Awareness-Washing:
– Nicht sensibilisierte oder nicht ausreichend geschulte Personen im Awareness-Team
– Zu wenige Personen im Awareness-Team im Verhältnis zur Veranstaltungsgröße
– Ein nicht ausreichendes oder lückenhaftes Awaressness-Konzept
– Täter*innenschutz in Gruppen oder Organisationen bei internen Vorfällen
– Täter*innen auf der Bühne
– Fehlende Strukturen für Feedback und Meldung von Fällen

Awareness-Washing kann ein falsches Sicherheitsgefühl erzeugen und Situationen für betroffene Personen verschlimmern. Betroffenenorientierte, klar formulierte Standards helfen, dem vorzubeugen – etwa die Awareness-Standards oder andere transparente, öffentlich einsehbare Orientierungen.
D
Definitionsmacht
Definitionsmacht ist eines der zentralen Grundprinzipien von Awareness-Arbeit. 
Definitionsmacht bedeutet, dass betroffene Personen selbst bestimmen, was sie als übergriffig, diskriminierend oder gewaltvoll erlebt haben – und dass ihre Perspektive ernst genommen wird. Denn nur betroffene Personen können für sich entscheiden, 
ob eine Situation grenzüberschreitend war 
oder nicht. 


Oft wird versucht, solche Erfahrungen von außen zu bewerten oder kleinzureden („Das war doch nicht so schlimm.“ oder „Das war sicher nicht so gemeint.“). Genau hier setzt Definitionsmacht an: 
Sie stellt klar, dass die Wahrnehmung betroffener Personen zählt und nicht angezweifelt oder relativiert werden darf.

Definitionsmacht ermöglicht, dass Menschen mit ihren Erfahrungen gehört werden und Unterstützung erhalten, ohne sich rechtfertigen zu müssen. Dabei bestimmen betroffene Personen selbst, was für sie unterstützend in der Situation wäre. Defintionsmacht kann dabei helfen, dass akute Belastung nicht in längerfristige oder gar chronische Traumatisierung übergeht.
P
Parteilichkeit
Parteilichkeit bedeutet, bewusst auf der Seite von marginalisierten, unterdrückten und betroffenen Personen zu stehen. 
In gesellschaftlichen Machtverhältnissen gibt es keine echte Neutralität – 
wer nicht aktiv Partei ergreift, stützt oft unbewusst die bestehenden Ungleichheiten. 

Parteilichkeit ist eine Haltung, 
die bestehende Machtverhältnisse reflektiert und bewusst eine Position dagegen einnimmt. Ursprünglich aus der Arbeiter*innenbewegung kommend, wird Parteilichkeit heute in vielen Bereichen angewendet, etwa in der Sozialen Arbeit oder in der Awareness-Arbeit. 


Parteilichkeit bedeutet in der Praxis, sich auf die Interessen der Betroffenen zu fokussieren, Betroffene und ihre Bedürfnisse ernst zu nehmen, sie zu unterstützen und sich an ihre Seite und gegen Abwertung oder Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit zu stellen.

Es geht nicht 
darum, einzelne Personen sympathisch zu finden oder jede Entscheidung gutzuheißen, sondern 
um die Anerkennung struktureller Ungerechtigkeiten und aktives Handeln dagegen. Parteilichkeit zeigt sich in Worten und Taten: Durch solidarisches Zuhören, durch das Verhindern von Täter*innen-Opfer-Umkehr und durch konkrete Unterstützung. 

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